Die Partei der Misstrauischen

Die AfD wird immer beliebter. Was ihre Wähler eint, ist nicht mehr der Kampf gegen den Euro, sondern das Misstrauen – sogar gegen die eigene Parteispitze.

Alexander Gauland tut dieser Tage viel, damit seine Partei, die Alternative für Deutschland (AfD), im Gespräch bleibt. Am Wochenende löste der Vize-Vorsitzende eine Diskussion um Nationalspieler Jerome Boateng aus. Der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte Gauland: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Gauland sagte, unter den AfD-Anhängern gebe es die Sorge, „dass eine uns fremde Religion sehr viel prägender ist als unsere abendländische Tradition“. Und diese große Zahl der Fremden komme nun einmal aus Regionen, in denen vor allem Muslime lebten. Dabei ist Boateng nicht islamischen Glaubens, sondern Christ. Im Netz wie auch beim Länderspiel gegen die Slowakei am Sonntagabend in Augsburg erfuhr der Fußballspieler große Unterstützung.

Auch Frauke Petry sorgt dafür, dass die AfD in aller Munde bleibt. Erst am vergangenen Montag brach sie ein öffentlichkeitswirksam anberaumtes Gespräch mit dem Zentralrat der Muslime nach einer Dreiviertelstunde öffentlichkeitswirksam ab. Ausführlich informierte sie (wie auch der Zentralrat der Muslime) danach über ihre Gründe. So konnte sie darlegen, wieso sie sich auf Augenhöhe sieht mit dem Zentralrat, und noch mal klarstellen, dass die Partei keinesfalls vorhat, den Satz „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ aus dem Grundsatzprogramm zu streichen.

Die Parteichefin der AfD macht das geschickt. Sie gibt sich gesprächsbereit, doch wenn die Aussprache scheitert, kann sie im besten Fall womöglich sogar zwei Gruppen von Wählern gewinnen: in der Mitte und rechts.

Auf mehr als zehn Prozent Wählerschaft hat die AfD es damit gebracht, in manchen Umfragen geht es sogar hoch bis zu 15 Prozent. Dabei hatte die Partei noch im Frühsommer vergangenen Jahres unter der Fünf-Prozent-Marke gelegen. Damals war sie allerdings auch noch eine andere. Einst als Partei der Wirtschaftsprofessoren und Besserverdienenden im Kampf gegen den Euro gegründet, hat sich seither nicht nur die Parteispitze (damals Bernd Lucke, heute Frauke Petry) verändert, sondern auch die Anhängerschaft. Das zeigt eine Auswertung des Meinungsforschungsinstituts Forsa, die der F.A.S. vorliegt. Wer wählt die AfD? Das muss man heute anders beantworten als vor einem Jahr.

AfD bleibt Partei der Männer

Die größte Veränderung betrifft den sozialen Status. Weniger Anhänger als noch vor einem Jahr gehören zur Oberschicht. Der Anteil sank von 26 auf 18 Prozent. Heute hat die AfD mehr Anhänger aus der Unterschicht als aus der Oberschicht, vor einem Jahr war das noch umgekehrt. Auch der Anteil der Besserverdiener ist etwas zurückgegangen. Und während vor einem Jahr 29 Prozent der AfD-Wähler weniger als 2000 Euro verdienten, stieg diese Zahl auf aktuell 33 Prozent. Wenig überraschend auch, dass die AfD für Menschen, die sich selbst als „links“ einschätzen, heute weniger attraktiv ist, während deutlich mehr als zuvor sich selbst als politisch „rechts“ bezeichnen.

   Frauke Petry im Hofbräukeller  

© dpa Vergrößern  AfD-Vorsitzende Frauke Petry  

Weiterhin bleibt die AfD eine Partei der Männer (71 Prozent Männeranteil) und der etwas älteren Herrschaften. Mehr als ein Drittel der Menschen, die in Umfragen angeben, AfD wählen zu wollen, sind älter als 60. Im Vergleich zur CDU ist die AfD damit aber noch jung. Bei den ganz Jungen hat die AfD stark verloren. Nur noch 6 Prozent der AfD-Wähler sind zwischen 18 und 29 Jahre alt, vor einem Jahr waren es noch 15 Prozent gewesen. Zudem ist die Partei offenbar besonders attraktiv für Ostdeutsche sowie für Menschen, die auf dem Land leben.

Im Vergleich zur restlichen Bevölkerung zeichnet AfD-Wähler eine Eigenschaft besonders aus: Sie sind misstrauisch, insbesondere gegenüber offiziellen Stellen. AfD-Wähler liegen in ihren Vertrauenswerten fast immer unter denen der Gesamtbevölkerung: Da ist es egal, ob es um Parteien, Unternehmen oder den Papst geht. Nur bei Universitäten machen AfD-Wähler eine Ausnahme und vertrauen ihnen ein klein wenig mehr als der Rest Deutschlands. Das dürfte ein Relikt aus der Zeit sein, als die AfD noch Professorenpartei genannt und von einem Ökonomieprofessor gelenkt wurde.

Seehofer hat größtes Vertrauen unter AfD-Wählern

Im Vergleich zur restlichen Bevölkerung stehen AfD-Anhänger insbesondere politischen Institutionen kritisch gegenüber, etwa der EU, der Bundeskanzlerin und dem Bundespräsidenten. Aber auch Meinungsforschungsinstituten, Sparkassen oder der Polizei vertrauen sie weniger. Mit dem eigenen Arbeitgeber – immer oben im Vertrauensranking – sind die AfD-Anhänger auch nicht ganz so glücklich. Zu ihm haben zwar 85 Prozent der Deutschen großes Vertrauen, aber nur 71 Prozent der AfD-Anhänger.

   Infografik / Die Sozialstruktur der AFD-Wähler  

© F.A.Z. 
   

Dazu passt, dass AfD-Wähler – wie eine Auswertung des Allensbach-Instituts für die Frankfurter Allgemeine Zeitung ergab – glauben, die Politik selbst besser machen zu können, als die etablierten Kräfte es können. Der Aussage: „Die Politiker haben keine Ahnung. Ich könnte das besser als die“ stimmen unter AfD-Anhängern sage und schreibe 71 Prozent zu. In allen anderen Parteien lag der Wert unter 50 Prozent. Besonders wenig besserwisserisch waren interessanterweise FDP-Wähler.

Misstrauen und der Glaube, es selbst besser zu können, paaren sich mit Unzufriedenheit und Pessimismus. 42 Prozent der AfD-Anhänger sind laut Forsa mit den Lebensverhältnissen in Deutschland unzufrieden. 77 Prozent haben pessimistische Wirtschaftserwartungen.

Die eigene Parteichefin ist zwar beliebt. So ganz scheinen viele Anhänger Frauke Petry jedoch auch nicht zu trauen. 47 Prozent der AfD-Anhänger bringen Petry laut Forsa Vertrauen entgegen. Zwei männliche Politiker sind beliebter, obwohl sie in anderen Parteien zu Hause sind. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kommt auf 52 Prozent. Der mit Abstand beliebteste AfD-Politiker aber ist Horst Seehofer (CSU): 69 Prozent der AfD-Wähler vertrauen ihm.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.